Chaco-Krieg 1932-1935

Verlustreicher militärischer Konflikt zwischen Bolivien und Paraguay

Der blutige Streit der beiden einzigen südamerikanischen Binnenstaaten um das Subtropen-Gebiet Gran Chaco kostete über 100.000 Menschen das Leben.

Die als Chaco-Krieg in die Geschichte eingegangene militärische Auseinandersetzung zwischen Bolivien und Paraguay gilt als der verlustreichste südamerikanische Krieg seit dem Tripel-Allianz-Krieg (1864-1870). Damals hatte Paraguay im Kampf gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay 80% seiner männlichen Bevölkerung verloren. Das seit damals zu den Armenhäusern Südamerikas abgesunkene Paraguay büßte zwei Generationen später im Chaco-Krieg wieder einen großen Teil seiner Bevölkerung ein: Schätzungsweise 40.000 bis 50.000 Einwohner der lediglich 900.000 Einwohner des Landes wurden getötet. Kriegsgegner Bolivien hatte mit etwa 60.000 Menschen bei einer Einwohnerzahl von etwa zwei Millionen noch größere Verluste.

Streitpunkt Gran Chaco

Auslöser für den mörderischen Streit war der Konflikt um das im Grenzgebiet von Argentinien, Bolivien und Paraguay liegende menschenleere Wald- und Dornbusch- Savannengebiet Gran Chaco. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts war es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Paraguay und Bolivien wegen Besitzansprüchen auf nördliche Teile dieses wirtschaftlich nur bedingt interessanten Gebiets gekommen. Wesentlich bei diesen Spannungen war die Frage des Zugangs zum den Gran Chaco begrenzenden Fluss Rio Paraguay, der für das küstenlose Bolivien den einzigen Zugang zum Meer ermöglichte. Vermutungen, dass im Chaco reiche Erdölvorkommen vorhanden seien, führten Ende der 1920er Jahre zu einer Eskalation des paraguayisch-bolivianischen Konflikts.

Beginn der Kampfhandlungen

Nach vereinzelten Grenzzwischenfällen zwischen bolivianischen und paraguayischen Kräften brach Mitte Juni 1932 der Krieg aus. Neben Elementen des Bewegungskriegs wurde dieser mit äußerster Brutalität geführte Krieg vor allem vom Stellungskrieg in der Chaco-Savanne geprägt. Paraguay wurde politisch, und halbverdeckt auch materiell, von Argentinien unterstützt, Bolivien im Gegenzug vom traditionell anti-argentinisch eingestellten Nachbarstaat Brasilien.

Waffenhändler insbesondere aus Frankreich, Großbritannien und den USA machten Riesengeschäfte bei der Aufrüstung der Armeen der beiden bettelarmen Länder. Unter anderem erwarb Bolivien drei Vickers- 6tons-Tanks, die mit wenig Erfolg beim ersten Panzerangriff in Amerika eingesetzt wurden. Auch wurden trotz eines vom Völkerbund verhängten Waffenembargos Kampfflugzeuge aufgekauft. Ausländische Militärinstrukteure und Abenteurer strömten auf der Suche nach Profit und militärischer Erfahrung auf den Kriegsschauplatz.

Die bolivianische Armee konnte ihre zahlenmäßige und materielle Überlegenheit nicht ausnutzen. Ihre Taktik der Frontalangriffe auf befestigte Stellungen, ihre mangelhafte Nachschublogistik und ihre fehlende Flexibilität, sich auf veränderte militärische Lagen einzustellen, führten zu einer Reihe von Niederlagen gegen die teilweise auf Guerilla-Taktik setzende kleine, aber besser organisierte Paraguay-Armee. Zudem stammten die meisten der bolivianischen Indio-Soldaten im Gegensatz zu den Guarani-Indianer und Mestizen Paraguays vom kühlen Hochland. Die Bolivianer litten unter dem ungewohnten subtropischen Klima des Chacos und erkrankten schnell.

Von erheblicher strategischer Bedeutung war auch die vor allem den wichtigen Nachschub auf dem Rio Paraguay sichernde paraguayische Fluss-Marine.

Das „Verdun Südamerikas“: Die Schlacht von Nanawa Januar 1933

Zu einer Vorentscheidung kam es Ende Januar 1933, als die bolivianische Armee unter dem deutschen Weltkrieg-I-General Hans Kundt vergeblich versuchte, die befestigte Stellung Nanawa, etwa 100 Kilometer südöstlich von Boqueron, zu erobern. Kundt verlor bei den von ihm befohlenen Frontalangriffen etwa ein Drittel seiner Männer; die Paraguayer hatten nur vergleichsweise leichte Verluste.

Putsch in Bolivien 1934 und Ende der Kämpfe 1935

In Folge putschte die bolivianische Armee 1934 mitten im Krieg und setzte Präsident Salamanca ab. Wechsel an der Staats- und Armeespitze konnten Boliviens Niederlage aber nicht verhindern. Am 12.6.1935 gaben die Bolivianer den Kampf auf und schlossen mit Paraguay einen Waffenstillstand.

Friedensvertrag 1938

Im Friedensvertrag von Buenos Aires musste Bolivien 1938 auf den größten Teil des von ihm beanspruchten Gran Chacos verzichten. Es verlor 200.000 qkm seines Territoriums an Paraguay, das dadurch die Fläche seines Staatsgebiets verdoppelte. Zwar konnte Bolivien seine Ölfelder bei Camiri behalten, der erhoffte Ölboom blieb aber mangels genügend abbaubarer Erdölvorkommens sowohl für Bolivien wie auch für den Sieger Paraguay aus. Immerhin konnte sich Bolivien in dem Friedensvertrag einen, wenn auch nur wenige Kilometer breiten, Zugang zum Rio Paraguay sichern.

Erst in den letzten Jahren sorgten neue Abbaumethoden und erhebliche Funde an Erdgas in „Chaco Boreal“ für ökonomischen Auftrieb in der Region.

Literatur :

Michael Herzig, Der Chaco-Krieg zwischen Bolivien und Paraguay 1932 – 1935, Frankfurt/M. 1996.

Thies Völker, Thies Völker

Thies Völker - Studium Jura, Geschichte, Volkskunde und Ethnologie, Text- und Archivberater, Schwerpunkte: Biographierecherche, Familienchroniken, ...

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