In der Gesellschaft der USA am Anfang des 20. Jahrhunderts herrschten bei der Mehrheit der weißen Bevölkerung rassistische Denkmuster vor, die den schwarzen Amerikanern in der Praxis lediglich den Status von Bürgern zweiter Klasse einräumten. Das galt nicht nur für den zivilen, sondern auch für den militärischen Bereich. Daran änderte auch der bis heute in den Medien weitgehend ignorierte und von der Bevölkerung zumeist nicht wahrgenommene bedeutende Anteil afroamerikanischer Regimenter an der Sicherung des "Wilden Westens" in der Zeit nach dem Bürgerkrieg nur wenig.
Einberufung afroamerikanischer Soldaten für den Ersten Weltkrieg
Nach der Kriegserklärung an Deutschland im April 1917, mit der die USA in den Ersten Weltkrieg eintraten, wurde schnell klar, dass die angestrebten Kriegsziele mit der kleinen Berufsarmee der USA nicht zu erreichen waren. Ein darauf im Mai verabschiedetes Einberufungssgesetz erfasste alle wehrfähigen Männer zwischen 21 und 31 Jahren unberücksichtigt ihrer Hautfarbe. Diese prinzipielle Gleichbehandlung wurde von vielen Afroamerikanern begrüßt. Unter anderem erhofften sie einen Abbau der rassistischen Diskriminierungen in der Gesellschaftswirklichkeit als Folge eines afroamerikanischen Beitrages zu den Kriegsanstrengungen der Nation .
Sie wurden bitter durch die Politik der Militärbehörden enttäuscht. Zwar wurden anteilsweise überdurchschnittlich viele Afroamerikaner für kriegsdiensttauglich erklärt und eingezogen, aber zunächst keine schwarzen Kampfverbände aufgestellt. Afroamerikanische Wehrpflichtige wurden fast durchgehend in Arbeitsbataillonen für Nachschub-, Verlade- oder Schanzarbeiten eingesetzt. Die vier in den Indianerkriegen und im Spanisch-Amerikanischen Krieg bewährten schwarzen Regimenter („Buffalo Soldiers“) der Berufsarmee waren aus Rücksicht auf rassistische Befindlichkeiten weißer Offiziere und Politiker nicht für den Einsatz in Europa vorgesehen.
Aufstellung schwarzer Infanteriedivisionen
Nach energischen Eingaben von Vertretern der afroamerikanischen Gemeinschaft rang sich die US-Regierung schließlich doch zu dem Zugeständnis durch, zwei Infanteriedivisionen mit schwarzen Wehrpflichtigen aufzustellen: Die 92. und die 93. Infanteriedivision. Gleichzeitig wurden Offizierslehrgänge für Afroamerikaner eingerichtet, um zumindest die Subalternoffiziersstellen der neuen Divisionen mit schwarzen Soldaten besetzen zu können.
Nie im Divisionsverband eingesetzt
Im Gegensatz zur zwei Monate älteren 92. wurde die im Dezember 1917 aufgestellte 93. nie im Divisionsverband eingesetzt. Anders als die vollständig organisierte 92. verfügte dieser unter dem Kommando von Brigadegeneral Roy Hoffman stehende Großverband lediglich über vier Infanterieregimenter ( 369., 370., 371., 372.) und keine logistischen und sonstigen Divisionstruppen. Durchaus im Sinne einer von Teilen der Generalstäbler gewollten Abwertung der afroamerikanischen Truppen wurden die vier Regimenter auf andere Divisionen verteilt.
Unterstellung unter französisches Kommando
Um sie vollständig von den übrigen US-Truppen zu trennen, wurden die ab Dezember 1917 in Frankreich anlandenden Regimenter der 93. Division französische Verbänden zugeteilt. Die Soldaten erhielten französische Ausrüstung sowie Uniformen. Aber sie bekamenen auch mehr Respekt von ihren weißen französischen Ko-Kombattanten als sie in der US Army bisher erfahren hatten. Beim französischen, ursprünglich kaum weniger rassistisch eingestellten, Militär hatte sich nach vier Jahren Fronterfahrung mit den schwarzen Kolonialtruppen der eigenen Armee eine differenziertere Einstellung in dieser Frage ausgebildet.
Anerkennung für Fronteinsatz
Die Regimenter der 93. zeichneten sich in harten Kämpfen gegen deutsche Truppen unter anderem im Argonnerwald und der Champagne aus. Das „Harlem Hellfighters“ genannte 369. Regiment war mit 191 Kampftagen das am längsten an der Front eingesetzte Regiment des gesamten US-Expeditionskorps in Frankreich. Einheiten und Soldaten der 93rd Infantry Division wurde vor allem mit französischen Trapferkeitsauszeichnungen geehrt.. Bis zum Waffenstillstand am 11.11.1918 verzeichnete die Division mehr als 450 Gefallene und über 3000 Verwundete.
Die nach Amerika zurückkehrenden Veteranen der 93. stießen in ihrem gerade in den Jahren 1918 bis 1920 von besonders radikalen rassistischen Wellen erschütterten Land sehr oft nicht auf die verdiente patriotische Würdigung, sondern auf blanken Hass. Dennoch haben die Erfahrungen von der Front das Selbstwertgefühl der afroamerikanschen Gemeinschaft in den USA erheblich gestärkt.
Literatur :
Frank E. Roberts, The American Foreign Legion.Black Soldiers of the 93d in World War I; Annapolis ,MD, 2004
